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Archive -als Informationquelle


Werden Daten und Informationen über ehemalige Bergwerke gesucht, so ergibt sind daraus oftmals eine Herausforderung. Nichts außer gewöhnliches, denn mit Recherchen in einem Wirtschaftsbereich, der seit mittlerweile Jahrhunderten tätig ist, sind die richtigen Informationsquellen entscheidend. Wir wollen hier einige Hinweise geben.

Bergbau-Archiv Bochum
Quelle: http://www.archive.nrw.de/index.asp


Bestandsübersicht:
Unternehmen des Steinkohlenbergbaus

Ewald-Kohle AG, Recklinghausen

Schachtanlagen Zollern-Germania, Dortmund

Concordia Bergbau AG, Oberhausen

Schachtanlage Friedrich der Große, Herne

Rheinpreußen AG für Bergbau und Chemie, Homberg (Niederrhein)

Hamborner Bergbau AG, Duisburg-Hamborn

Fried. Krupp Bergwerke AG, Essen

Gebr. Stumm GmbH, Neunkirchen (Saar)

Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG, München

Klöckner-Bergbau Victor-Ickern AG, Castrop-Rauxel

Schachtanlage Gottessegen, Dortmund-Löttringhausen

Bergbau-AG Neue Hoffnung, Oberhausen

Schachtanlage Graf Bismarck, Gelsenkirchen

Bergwerksgesellschaft Hibernia AG, Herne

Schachtanlage Emscher-Lippe, Datteln

Schachtanlage Brassert, Marl

Bergwerksgesellschaft Walsum AG, Walsum

Essener Steinkohlenbergwerke AG, Essen

Bochumer Bergbau AG, Bochum

Rheinelbe Bergbau AG, Gelsenkirchen

Diergardt-Mevissen Bergbau-AG, Rheinhausen

Schachtanlage Minister Stein, Dortmund-Eving

Harpener Bergbau-AG, Dortmund

Dortmunder Bergbau AG, Dortmund

Schachtanlage Sachsen, Hamm-Heessen

Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Essen

Schachtanlage Werne, Werne (Lippe)

Schachtanlage Erin, Castrop-Rauxel

Schachtanlage Graf Schwerin, Castrop-Rauxel

Schachtanlage Waltrop, Waltrop

Schachtanlage Königsborn, Unna-Bönen

Schachtanlage Prosper, Bottrop

Hydrogrube Hansa, Dortmund-Huckarde

Bergwerksgesellschaft Dahlbusch, Gelsenkirchen-Rotthausen

Schachtanlagen Kaiserstuhl-Ost und Kaiserstuhl-West, Dortmund-Eving

Ruhrkohlenverkauf, Essen

Schachtanlage Ver. Klosterbusch, Bochum

Preußische Zechenbahn- und Hafenbetriebsgesellschaft, Gladbeck

Schachtanlagen Adolf von Hansemann/Hansa, Dortmund

Schachtanlage Zollverein, Essen-Katernberg

Steinkohlenbergwerke Mathias Stinnes AG, Essen

Oberbayerische Aktiengesellschaft für Kohlenbergbau, München

Schachtanlage Nordstern, Gelsenkirchen-Horst

Ruhrkohle AG, Essen

Königliche Berginspektion am Deister, Barsinghausen (Niedersachsen)

Schachtanlage Mansfeld, Bochum-Langendreer

Schachtanlage Radbod, Hamm-Bockum-Hövel

Schachtanlage Lohberg, Dinslaken

Schachtanlage Flora, Bochum-Weitmar

Schachtanlage Westfalen, Ahlen (Westfalen)

Eschweiler Bergwerks-Verein AG, Kohlscheid (Rheinland)

Schachtanlage Rossenray, Kamp-Lintfort

Arbeitsgemeinschaft für Olefinchemie, Essen

Schachtanlage Aurora, Herbede-Vormholz

Sophia-Jacoba GmbH, Hückelhoven (Rheinland)

Schachtanlage Heinrich Robert, Hamm-Herringen

RAG-Kokereien und Weiterverarbeitung, Essen

Heinrich Bergbau AG, Essen-Kupferdreh

Altenessener Bergwerks-Aktiengesellschaft, Essen

Monopol Bergwerks-Gesellschaft mbH, Kamen

Saarbergwerke AG, Saarbrücken

Steinkohlenbergwerk Friedrich Heinrich AG, Kamp-Lintfort

Schachtanlage Präsident, Bochum

Harpener Bergbau-AG, Dortmund
Laufzeit: 1850 - 1983, 1990
Die bereits 1856 in Dortmund gegründete Harpener Bergbau-AG war nach dem bei Bochum gelegenen Dorf Harpen benannt, das mitten im Felderbesitz der Gesellschaft lag. Die Geschichte der Gesellschaft ist eng verbunden mit dem Namen der Gewerkenfamilie Müser. Dr. med. Friedrich Wilhelm Müser (1812-1874) war erster Verwaltungsratsvorsitzender. Die spätere Großschachtanlage Robert Müser trug den Namen seines Sohnes, der bis 1914 als alleiniger Vorstand tätig war und dessen Funktion später Eugen Kleine übernahm. In den Akten ist eine größere Anzahl von Briefen Robert Müsers (1849-1927) erhalten.

 

Zeche Heinrich Gustav
Die Zeche Heinrich Gustav in (Bochum-) Werne wurde zwischen 1856 und 1859 errichtet, die Kokserzeugung bereits 1861 aufgenommen. Nachdem 1926 die Bochumer Schachtanlage Vollmond mit Heinrich Gustav zusammengelegt worden war, erfolgte 1929 die Bildung der Großschachtanlage Robert Müser durch Zusammenfassung der Anlagen Heinrich Gustav, Caroline, Amalie und Prinz von Preußen. Die Zeche Dorstfeld, die 1916 zu einem Teil und 1923 ganz in das Eigentum der Essener Steinkohlenbergwerke AG übergegangen war, ging im Zuge der Entflechtung (zusammen mit Oespel) auf die Harpener Bergbau-AG über. 1937 hatte die Gesellschaft ihre größte Ausdehnung erreicht, mit zehn Zechen, die in vier Gruppen gegliedert waren:

- Gruppe Bochum: Zechen Robert Müser (mit den Schächten Arnold-Jakob, Vollmond, Amalia, Caroline und Prinz von Preußen) und Neu-Iserlohn (mit den Schächten Neu-Iserlohn 1, Neu-Iserlohn 2 und Siebenplaneten)

- Gruppe Herne: Zechen Julia (mit der Zeche von der Heydt), Recklinghausen 2 und Mont-Cenis

- Gruppe Buer: Zechen Hugo 1 (vereinigt mit Hugo 3) und Hugo 2

- Gruppe Dortmund: Zechen Gneisenau (mit der Zeche Scharnhorst) und Victoria.

Der Aktenbestand von 12,6 laufenden Meter wurde aus drei Abgaben aus Privatbesitz in den Jahren 1969, 1976 und 1977 gebildet und beinhaltet nur einen Bruchteil der Aktenüberlieferung der ehemaligen Harpener Zechen. Die Zufälligkeit der Überlieferung der Dokumente bzw. ihre inhaltliche Heterogenität machte eine vollkommene Neuordnung erforderlich. Immerhin ragen aus diesem Splitterbestand zwei relativ dicht dokumentierte Themenkomplexe heraus: zum einen die Zechenbücher, die mit nur wenigen Lücken von 1876 bis 1937 reichen, und zum anderen zahlreiche Dokumente über Wohnungsangelegenheiten in den Bergarbeiterkolonien sowie Konstruktionszeichnungen und Pläne der Schachtanlagen Robert Müser und Heinrich Gustav.

 

Literatur: O. Martens: Lebensabriß von Robert Müser, in: Jahrbuch für den Oberbergamtsbezirk Dortmund, 1910, S. III-XVI.

August Heinrichsbauer: Harpener Bergbau-Aktien-Gesellschaft 1856-1936. Achtzig Jahre Ruhrkohlen-Bergbau, Essen 1936.

Franz Mariaux: Gedenkwort zum hundertjährigen Bestehen der Harpener Bergbau-Aktien-Gesellschaft, Dortmund 1956.

Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 303-319.

Heiner Radzio: Am Anfang war die Kohle. 125 Jahre Harpener Aktiengesellschaft, Dortmund [1981].

Schachtanlage Minister Stein, Dortmund-Eving
Laufzeit:
1856 - 1993
In den Jahren 1855 bis 1858 legten Theodor Sprenger, Kaufmann aus Essen, und Heinrich Grimberg, Gastwirt aus Bochum, Mutung auf die Steinkohlenfelder Borussia I-VI in Eving bei Dortmund ein. Ende 1858 wurden diese verliehen und im Zuge der Konsolidation der Grubenfelder entstand 1859 die gleichnamige 128-teilige Gewerkschaft. Durch den Rückgang der Kohlepreise in den 1860er Jahren trennten sich viele Gewerken von ihren Kuxen, sodass Friedrich Grillo und der Bankier Ludwig von Born, beide aus Essen, 112,5 Kuxe der Gewerkschaft aufkaufen konnten.
Am 4. April 1871 beschloss die Gewerkenversammlung unter Führung Grillos die Änderung des Namens in Minister Stein, die Erhöhung der Anteile auf 1 000 und den Aufschluss der Lagerstätte durch das Abteufen eines Schachtes. Ende 1875 hatte man eine Teufe von 270 Metern erreicht und sieben Flöze aufgeschlossen, sodass nach Fertigstellung des Malakoffturmes und der Tagesanlagen mit der Förderung begonnen werden konnte. Bereits 1878 wurde die erstrebte 100 000 t-Grenze überschritten. Nach kurzer Erholung der Kohlepreise zu Beginn der 1870er Jahre kam es ab 1873/1874 im Zuge der Gründerkrise zu einem erneuten Rückgang der Erträge und wieder wechselten viele Anteile die Besitzer. Als Käufer trat vor allem ein Konsortium unter Führung Friedrich Grillos auf, der schließlich mit über 70 % der Kuxe Hauptanteilseigner wurde. Grillo, der auch die Mehrheit der Anteile der Gewerkschaft Fürst Hardenberg, der Nachbarzeche Minister Steins, besaß, stand in enger Verbindung mit der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) und beabsichtigte, beide Gewerkschaften an diese zu veräußern. Am 20. April 1881 ließ er auf der gemeinsamen Gewerkenversammlung beider Zechen die Vereinigung der Anlagen, die Konsolidation der Grubenfelder und die Bestellung eines neuen gemeinsamen Vorstands beschließen. Am 28. März 1882 übernahm die GBAG die Mehrheit der Kuxe und wurde 1888 alleinige Besitzerin der Gewerkschaft Ver. Stein und Hardenberg, die damit aufgelöst wurde. Im dreiköpfigen Vorstand saßen ab 1882 Emil Kirdorf, Oskar Hoffmann und Arthur Lindenberg.
Die Jahre bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs standen im Zeichen des Ausbaus der Schachtanlage. 1891 begann man mit der Abteufung von Schacht 2, der ab 1898 Förderschacht wurde und somit Schacht 1 ablöste, der von nun an nur noch zur Bewetterung genutzt wurde. Im Zuge des Umbaus und der Erweiterung der Tagesanlagen entstand 1899 die erste Kokerei mit 120 Brunck-Öfen, die allerdings 1919 wieder stillgelegt wurde. Da sich die Förderung auf Minister Stein zwischen 1890 und 1900 fast verdoppelt hatte, machte sich um die Jahrhundertwende eine Verschlechterung der Wetterverhältnisse bemerkbar, die die Niederbringung von Schacht 3 nötig machten.
Durch den Ersten Weltkrieg, Inflation und Ruhrkampf ging die Förderung stark zurück und stagnierte bis in die Mitte der 1920er Jahre, als Minister Stein zwischen 1923 und 1926 zur Großschachtanlage ausgebaut wurde. In diese Zeit fiel auch die Abteufung von Schacht 4, der nach Emil Kirdorf benannt wurde, und nach seiner Fertigstellung ab 1926 als Hauptförderschacht diente. Über dem Schacht wurde ein Hammerkopf-Förderturm aufgestellt, der erste für zwei gleichberechtigte Förderungen ausgelegte stählerne Förderturm in Deutschland.
Am 1. April 1926 ging die Zeche Minister Stein zusammen mit dem übrigen Bergwerks- und Hüttenbesitz der GBAG in das Eigentum der Vereinigte Stahlwerke AG (VSt) über und wurde der Gruppe Dortmund unter Leitung von Ernst Brandi unterstellt. Es folgten Jahre des Aufschwungs. Bereits 1926 wurde die eine Millionen Tonnen-Grenze überschritten und 1929 hatte die Zeche mit über 1,6 Millionen Tonnen ihre bis dahin höchste Jahresförderung erreicht. Als Ersatz für die abgerissene Kokerei wurde 1928 eine neue Großkokerei mit 105 Collin-Öfen in Betrieb genommen. Trotz der einsetzenden Wirtschaftskrise führte man die 1929 begonnene Abteufung von Schacht 5 fort und konnte 1932 den Betrieb aufnehmen, wobei die alte Höchstmarke erst 1936 wieder erreicht wurde.
Am 1. Januar 1934 ging die Zeche an die neue GBAG, eine der damals gegründeten Betriebsgesellschaften, der VSt, deren gesamten Steinkohlenbesitz sie von nun an verwaltete. Nach Inbetriebnahme von Schacht 6 im Jahr 1940 stieg Minister Stein mit einer Förderung von 3,7 Millionen Tonnen zur größten Zeche im Ruhrrevier auf. Infolge mehrerer schwerer Bombenangriffe auf Dortmund wurden Minister Stein und Fürst Hardenberg im Februar 1945 so stark beschädigt, dass die Förderung zum Erliegen kam und erst im Herbst 1946 wieder aufgenommen werden konnte.
1951 waren die Reparaturen an den Tagesanlagen abgeschlossen und 1952 wurde der erforderliche Belegschaftsstand wieder erreicht. 1953 ging die Zeche Minister Stein nach der Liquidation der GBAG im Zuge der Unternehmensentflechtung in die neu gegründete Dortmunder Bergbau AG über. Durch Rationalisierungsmaßnahmen bedingt stellte Fürst Hardenberg am 19. August 1960 die Förderung ein und wurde von Minister Stein übernommen. Zur Zusammenfassung der Grubenfelder beider Zechen waren schon 1959 der Zentralschacht Minister Stein 7 in Betrieb genommen und 1966 eine neue zentrale Materialwirtschaft eingerichtet worden.
Nach der Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) 1968 wurde Minister Stein in die Bergbau AG Dortmund, eine Betriebsführungsgesellschaft der RAG, eingegliedert.1987 ist das Steinkohlenbergwerk Vereinte Stein und Hardenberg als letzte Dortmunder Schachtanlage stillgelegt worden.
Der Umfang der Akten beträgt 48 laufende Meter. Die Dokumente wurden unmittelbar nach der Stilllegung 1988 übernommen. Sie beinhalten neben Verwaltungsakten der Betriebsführung vor allem Belegschaftsfragen, wie Löhne und Tarife, Arbeitsschutz und Ausbildung, sowie Unterlagen zur Betriebsplanung und -überwachung. Einen zweiten großen Teil nehmen die Akten zum Grubenbetrieb ein, welche sich mit speziellen Problemen des Unter- und Übertagebetriebs, wie Ausbau, Förderung und Bewetterung, befassen. Statistiken, wissenschaftliche Arbeiten und Gutachten runden den Aktenteil ab. Es ist eine sehr umfangreiche Fotosammlung vorhanden.
Literatur: Die Steinkohlen-Bergwerke der Vereinigte Stahlwerke AG. Die Schachtanlage Minister Stein in Dortmund-Eving, Essen 1936.
Tilo Cramm: Minister Stein - Fürst Hardenberg. Die Geschichte des letzten Dortmunder Bergwerks, 2 Bde., Essen 1990/1993.

 

Diergardt-Mevissen Bergbau-AG, Rheinhausen
Laufzeit:
1897 - 1967
Die unternehmenspolitische Entwicklung der Gewerkschaften Diergardt I-IV und Mevissen und damit die Verwaltung der beiden Schachtanlagen sind durch eine Reihe von Umwandlungen und Vermögensübertragungen gekennzeichnet gewesen. Der 1909 gegründeten Gewerkschaft Diergardt folgte zwei Jahre später die Gewerkschaft Diergardt II, Carl Theodor Deichmann war Grubenvorstand beider Gewerkschaften. 1925 ging die Geschäftsführung beider Gewerkschaften auf eine GmbH über, deren Name 1927, nach Beitritt der 1903 gegründeten Gewerkschaft Wilhelmine Mevissen, in Bergwerksgesellschaft Diergardt-Mevissen mbH erweitert wurde. In ihren Händen lag die Verwaltung des gesamten Vermögens der Gewerkschaften und der beiden Schachtanlagen. Zugleich gab es im Bereich der Gewerkschaften folgende Umgründungen bzw. Umbenennungen

  • die Gewerkschaft Diergardt in Gewerkschaft Diergardt-Mevissen I
  • die Gewerkschaft Diergardt II in Gewerkschaft Diergardt-Mevissen II
  • die Gewerkschaft Wilhelmine Mevissen in Gewerkschaft Diergardt-Mevissen III und
  • die Gewerkschaft Fritz in Gewerkschaft Diergardt-Mevissen IV.
  • 1932 kam die Gewerkschaft Diergardt-Mevissen V als Gründung der Niederrheinischen Kohlenhandelsgesellschaft mbH, Rheinhausen, und der Westdeutschen Schiffahrts-AG, Köln, hinzu.

Eine schon vor dem Krieg vorbereitete weitere unternehmensrechtliche Umstrukturierung erfolgte 1952, als die Gewerkschaft Diergardt-Mevissen III unter gleichzeitiger Übernahme des Vermögens der Gewerkschaft Diergardt-Mevissen I und Diergardt-Mevissen II schließlich in die Diergardt-Mevissen Bergbau-AG umgewandelt wurde. Sie führte die beiden Schachtanlagen Diergardt I-III und Wilhelmine Mevissen.
Die enge vermögensrechtliche Verbindung mit Stinnes - seit 1938 bestand auch ein Interessengemeinschaftsvertrag der Gewerkschaften Diergardt-Mevissen I-III mit den zu Stinnes gehörenden Gesellschaften Gewerkschaft Mathias Stinnes und Mülheimer Bergwerks-Verein - fand schließlich ihren Abschluss 1956 mit der Umwandlung der Diergardt-Mevissen Bergbau-AG auf die Steinkohlenbergwerke Mathias Stinnes AG, welche ihrerseits 1968 ihr Vermögen in die Hibernia AG einbrachte. Mit der Übertragung des Bergbauvermögens der Hibernia AG auf die Ruhrkohle AG (RAG) endete die wechselvolle Unternehmensgeschichte von Diergardt-Mevissen bzw. Mathias Stinnes als selbstständige Bergwerksgesellschaft im Jahr 1969.
Diesen Aktenbestand übernahm das Bergbau-Archiv 1974 von der RAG, nachdem die Schachtanlage Mevissen im Juli 1973 stillgelegt worden war, während die Zeche Diergardt bereits 1967 ihre Förderung eingestellt hatte.
Bei den Aktenumfang von 2,3 Meter handelt es sich einerseits um einen umfangreichen Bestand an Geschäftsbüchern, andererseits um eine ganz vermischte Gruppe von Geschäftsakten der Grubenverwaltungen. Hervorzuheben sind die Akten, die die Entwicklung des Abbaus unter dem Rhein und der Wasserwirtschaft am linken Niederrhein dokumentieren. Die Verwaltung und Geschäftsführung des Bergwerksbesitzes lag von 1912 bis 1937 bei der Bergwerksgesellschaft Diergardt mbH, deren Gesellschafter die Gewerkschaften Diergardt-Mevissen I-IV waren. Offensichtlich wurden die wichtigsten Korrespondenzen zwischen den Geschäftsführern der GmbH und dem Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses geführt. Von 1938 bis 1952, Gründung der Aktiengesellschaft, lag die zentrale Verwaltung bei der Gewerkschaft Diergardt-Mevissen III.
Literatur: Joseph Hansen: Gustav von Mevissen. Ein rheinisches Lebensbild 1815-1899, 2 Bde., Berlin 1906.
Der Bergbau in den Feldern der Gewerkschaften Diergardt-Mevissen I-V. Zur Erinnerung an das fünfundzwanzigjährige Bestehen des Steinkohlenbergwerks Diergardt in Rheinhausen (Ndrh.), Rheinhausen 1935.
40 Jahre Diergardt-Mevissen, Rheinhausen 1949.
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Entflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 431-437.
Friedrich Albert Meyer: Von der Ruhr über den Rhein. Rheinhausens Schwerindustrie, Rheinhausen 1966.
Heinz-Theo Niephaus: Unternehmenskräfte bei den ehemaligen Gewerkschaften Diergardt, Diergardt II und Wilhelmine Mevissen, in: Heimatkalender für den Kreis Moers 25, 1968, S. 35-42.

 

 

Rheinelbe Bergbau AG, Gelsenkirchen
Laufzeit:
1836 - 1975
Die Zechen Rheinelbe-Alma, Pluto und Bonifacius zählten vor ihrer Einbringung in die Vereinigte Stahlwerke AG (VSt) 1926 zur alten Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) in Gelsenkirchen. Die Gründung der GBAG geht auf den Ankauf der Zechen Rheinelbe und Alma 3 am 3. Januar 1873 zurück. Die älteste Mutung im Bereich der Zeche Rheinelbe ist datiert auf den 23. März 1848. Die aus ursprünglich acht Einzelfeldern bestehenden beiden Zechen Rheinelbe und Alma wurden nach und nach vereint und aufgrund von Investitionsschwierigkeiten und der politischen Wirren schließlich von den Eigentümern an den französischen Unternehmer Louis Henry Obert und den Engländer John Brown verkauft, die ihre Anteile wiederum 1854 an die französische Firma Société des mines et fonderies du Rhin Détillieux et. Cie. verkauften. Diese musste, zusammen mit den Einzelmutungen Alma, die später das Grubenfeld Alma bildeten, wiederum aus finanziellen Schwierigkeiten die vereinigten Felder Rheinelbe an die Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb verkaufen. Doch auch diese konnte die Zeche Rheinelbe wegen Kapitalmangels und starker Wassereinbrüche in dem 1855 begonnenen Schacht 1 nicht betreiben. 1856 gelangten die Berechtsame an die Gelsenkirchener Kohlengrubengesellschaft, die sie 1857 an den bereits genannten Charles Détillieux übertrug. Erst 1860 konnte die Förderung auf Schacht Rheinelbe 1 beginnen.
Am 27. Januar 1870 wurde schließlich auch der Schacht Alma 1 abgeteuft, der die Förderung 1872 aufnahm. Im Jahr 1873 plante Friedrich Grillo, sämtliche Zechen in der damals Gelsenkirchener Mulde genannten Essener Mulde, die mit ausländischem Kapital arbeiteten, aufzukaufen und zu einem einzigen deutschen Bergbaubetrieb zusammenzufassen. Die Zechen Rheinelbe und Alma bildeten für die zu diesem Zweck gegründete GBAG in Gelsenkirchen die Basis für den Aufbau des später größten Montanunternehmens des Kontinents. 1877 wurden die beiden Grubenfelder unter dem Namen Ver. Rheinelbe & Alma zusammengefasst.

Im Zuge der Bestrebungen der GBAG, das zersplitterte rheinisch-westfälische Kohlengebiet unter ihrer Leitung zu konsolidieren, wurde 1899 die Zeche Ver. Bonifacius in (Essen-) Kray angekauft. Die Gewerkschaft Ver. Bonifacius begann 1857 mit dem Abteufen des Schachtes 1 in dem 1851 entstandenen konsolidierten Feld. 1897 wurden die angrenzenden Felder Helmuth und Caspar Alexander hinzugekauft. Auf Caspar Alexander entstand 1898 Schacht 3. Zahlreiche Unglücke, verbunden mit Kapitalmangel, führten schließlich zum Verkauf der Zeche an die GBAG.

Die Elsässische Bergwerke GmbH mit Sitz in Ueckendorf (Westfalen) war eine Gesellschaft unter mehrheitlicher Beteiligung der GBAG zur Erschließung von Kohlevorkommen bei Thann (Elsass), die am 15. Juli 1899 gegründet wurde. Das Gesamtkapital belief sich auf 420.000 Mark, wobei der Anteil der GBAG 212.000 Mark betrug.

1907 fusionierte die GBAG mit dem Schalker Gruben- und Hüttenverein. Zu seinen Gründern am 15. Oktober 1872 gehörten u. a. Friedrich Grillo, Friedrich Funke und Gustav Poensgen. Die Gesellschaft hatte die Herstellung und den Verkauf von Kohlen- und Erzgruben zum Zweck. 1899 erwarb sie die Zeche Pluto in Wanne-Eickel mit den Schachtanlagen Pluto-Thies und Pluto-Wilhelm. Die Entstehung der Zeche Pluto geht auf die am 10. Juli 1865 gegründete Pluto Bergbau-AG in Essen zurück, deren erste Mitglieder des Aufsichtsrats Bergassessor Heinrich Thies und Dr. jur. Friedrich Hammacher, beide Essen, Kommerzienrat Julius Scheidt, Kettwig, Bankier Simon Coppel, Hannover, und Bankier Gustav Runde, Braunschweig, waren. Im April 1857 begann die Gesellschaft mit dem Abteufen des ersten Schachtes (Thies), 1860 wurde die Förderung aufgenommen. Des Weiteren wurden 1863 eine Kokerei gebaut und 1873 der Schacht 2 (Wilhelm) abgeteuft. Beide Schachtanlagen wurden später zu Doppelschachtanlagen ausgebaut. Im Jahr 1899 erwarb der Schalker Gruben- und Hüttenverein im Zuge der Fusion die Zeche.

Die Zechen Zollverein, (Essen-) Katernberg, Nordstern (Gelsenkirchen-) Horst, Holland, Wattenscheid, und Graf Moltke, Gladbeck, gehörten zu dem ehemaligen, 1926 in die VSt eingebrachten Besitz der Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb. Unter dem Namen Phoenix Anonyme Gesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb erfolgte am 16. September 1852 die Gründung der Phoenix AG durch Kölner und Aachener Bankkreise, vor allem aber durch französische Geldgeber. Hauptsitz der Gesellschaft war der Ort Eschweiler-Aue bei Aachen. Sie war zu dem Zweck gegründet worden, die Puddel- und Walzwerke der Firma Th. Michiels & Cie. in Eschweiler-Aue sowie deren Eisensteingruben in Nassau weiter zu betreiben. Als Aufgaben stellten sich der Gesellschaft der Bergbau und die Eisenverhüttung, außerdem die Weiterverarbeitung des Roheisens. 1854 und 1856 wurde mit dem Bau von je einem Hüttenwerk in (Essen-) Kupferdreh und (Duisburg-) Ruhrort begonnen.

1855 erfolgte der Ankauf der Gesellschaft Société des mines et fonderies du Rhin Détillieux et Cie. mit einem Hochofen in (Essen-) Borbeck und den Grubenfeldern Rheinelbe und Alma. Die Aufwendungen für die Erschließung der Felder Ver. Rheinelbe & Alma erwiesen sich indessen als zu hoch für die Gesellschaft, sodass sich die Phoenix AG gezwungen sah, das Grubenfeld 1856 an die Gelsenkirchener Kohlengrubengesellschaft zu verkaufen. Ihren Steinkohlenbedarf deckte die Gesellschaft noch durch die für dreißig Jahre angepachteten Zechen Graf Beust und Carolus Magnus, Essen, sodass der Erlös des Verkaufs der Grubenfelder in den Ausbau der Hochofen- und Hüttenwerke investiert wurde.

Zahlreiche Erzgruben im Nassauer Bezirk und an Rhein und Mosel sicherten den Bedarf dieser Werke. Nach Ablauf der Pachtverträge mit den Steinkohlenbergwerken musste die Phoenix AG von 1883 an jedoch fremde Kohle ankaufen, bis sie 1896 die Schachtanlagen Westende sowie Rhein und Ruhr, (Duisburg-) Meiderich, erwarb.

Einen wesentlichen Zuwachs bedeutete die am 11. Februar 1898 erfolgte Angliederung der Westfälischen Union AG für Bergbau, Eisen- und Drahtindustrie. In den Jahren 1906/1907 erfolgte eine nochmalige Ausweitung der Gesellschaft durch die Verschmelzung mit dem Hörder Bergwerks- und Hüttenverein in (Dortmund-) Hörde am 1. Juli 1906 und der Steinkohlenbergwerk Nordstern AG in Essen am 1. Januar 1907. Mit der Angliederung des Hörder Bergwerks- und Hüttenvereins kamen, neben den Eisenwerken, auch noch das Grubenfeld Ver. Hörder Kohlenwerk mit den Schachtanlagen Schleswig und Holstein in den Besitz der Phoenix AG. Mit dem Erwerb der Steinkohlenbergwerk Nordstern AG fielen außerdem die Zechen Nordstern in (Gelsenkirchen-) Horst, Graf Moltke in Gladbeck und Holland in Wattenscheid an die Phoenix AG, die nun in der Lage war, den gesamten Kohle- und Koksbedarf ihrer Hütten und Walzwerke aus eigenen Kräften zu decken. Hinzu kamen noch die Grubenfelder Helene-Nachtigall bei Witten und Eversael auf der linken Rheinseite.

Um die Abteufung der Schachtanlage Nordstern, der ersten Zeche nördlich der Emscher, zu ermöglichen, wurde am 12. Januar 1860 eine Aktiengesellschaft unter dem Namen Essen-Arenberger Bergbau-Gesellschaft gegründet, aus der sich unter Initiative des Repräsentanten Friedrich Grillo am 7. April 1873 die Steinkohlenbergwerk Nordstern AG bildete. Dies geschah durch Verbindung mit der in Konkurs gegangenen französischen Gesellschaft Société anonyme des Charbonnages du Nord in Paris. Nach der Wirtschaftskrise in den 1880er Jahren nahm die Steinkohlenbergwerk Nordstern AG einen großen Aufschwung, sodass 1896 die Zeche Helene und Nachtigall bei Witten aufgekauft werden konnte. Sie wurde jedoch schon bald stillgelegt und ihre Beteiligungsziffer beim Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat übernahm die Schachtanlage Nordstern. 1925 wurde die Schachtanlage Nordstern stillgelegt, weil ihre Betriebsanlagen über Tage veraltet waren.

1897 wurde die Holland Bergbau-Aktiengesellschaft von Nordstern fusioniert, deren Gründer 1855 hauptsächlich holländische Geldgeber waren. Nach Abteufen des ersten Schachtes der Zeche im Jahr 1856 konnte 1860 mit der Förderung begonnen werden.

Die Gewerkschaft Graf Moltke in Gladbeck wurde 1873 gegründet. Schacht 1 wurde 1875 abgeteuft, 1899 erfolgte die Angliederung an die Steinkohlenbergwerk Nordstern AG. Die Arbeit auf der 1884 zur Doppelschachtanlage ausgebauten Zeche wurde durch große Wassereinbrüche gehemmt und kam erst zu ihrer Blüte, als sie am 1. Januar 1899 von Nordstern aufgekauft wurde. Die Phoenix AG, die sie am 1. Januar 1907 mit der Steinkohlenbergwerk Nordstern AG übernahm, baute die Zeche zu einer ihrer technisch am besten entwickelten Anlage aus.

Mit der Angliederung des Hörder Bergwerks- und Hüttenvereins und der Steinkohlenbergwerk Nordstern AG sowie dem Ankauf einiger Gewerkschaften 1905 hatte sich die Phoenix AG zu einer der größten und bedeutendsten Montankonzerne des Ruhrgebiets entwickelt. Eine weitere Vergrößerung erfuhr die Gesellschaft am 29. Oktober 1910 durch die Angliederung der Aktiengesellschaft Düsseldorfer Röhren- und Eisenwerke, vormals Poensgen.

Da sich die Kokskohlengrundlage der Phoenix AG als auf Dauer nicht ausreichend erwies, versuchte die Gesellschaft, die Gewerkschaft Zollverein in (Essen-) Katernberg von der Familie Haniel zu erwerben. Der Industrielle Franz Haniel begann mit der Errichtung der Schachtanlage Zollverein 1845 durch Abteufen des Schachtes 1. 1858 gründete Haniel die Gewerkschaft Zollverein zu deren Betrieb. Bis zur Übernahme der Geschäfts- und Betriebsführung der Zeche durch die Phoenix AG 1920, förderten vier Schachtanlagen auf dem Grubenfeld von Zollverein. Hinzu kamen noch Beteiligungen der Phoenix AG an der Rheinisch-Westfälischen Bergwerks-Gesellschaft mbH in Mülheim (Ruhr) und 1925 an der Gewerkschaft Emscher-Lippe. 1926 trat die Phoenix AG in die VSt ein.

Die GBAG in Essen hatte sich ursprünglich aus der 1926 gegründeten VSt, Abteilung Bergbau, gebildet, deren Hauptaktionärin mit 46 % die alte GBAG in Gelsenkirchen war. Die Bergwerke, die von der alten GBAG nicht in die VSt eingebracht wurden, fusionierten 1930 mit der Essener Steinkohlenbergwerke AG. Die neue GBAG in Essen bildete sich im Rahmen der Dezentralisierung der VSt zu einer eigenen Betriebsgesellschaft heraus und übernahm die Organisation der alten Abteilung Bergbau der VSt mit den vier Bergbaugruppen Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen und Hamborn.

Die Rheinelbe Bergbau AG, Gelsenkirchen, entstand bei der Entflechtung der GBAG 1953. Im Zuge der GBAG, Essen, wurden die Bergbaugruppen Dortmund, Bochum und Gelsenkirchen am 18. Juni 1953 zu einer Holdinggesellschaft GBAG zusammengefasst, die übrigen angeschlossenen Unternehmen jedoch in selbstständige Gesellschaften umgebildet. Als 100-prozentige Tochtergesellschaft wurden gegründet: die Dortmunder Bergbau AG, die Bochumer Bergbau AG und die Rheinelbe Bergbau AG mit den Zechen Nordstern, Holland, Rheinelbe & Alma, Pluto, Zollverein und Bonifacius. Die drei Bergbaugesellschaften erhielten zudem eine 50-prozentige Beteiligung an der Hansa Bergbau AG, der Carolinenglück Bergbau AG mit der Zeche Carolinenglück und der Graf Moltke Bergbau AG mit der Zeche Graf Moltke.

Nach Auflösung der Bochumer Bergbau AG 1962 wurde die Carolinenglück Bergbau AG mit der Graf Moltke Bergbau AG vereinigt. Die Zeche Carolinenglück gehörte zur Gruppe Bochum der GBAG in Essen, bevor diese sich neu organisierte. Schacht 1 der Zeche wurde 1850 von der Gewerkschaft Ver. Carolinenglück abgeteuft. Im Jahr 1900 ging das Gewerkschaftsvermögen durch Kauf in das Eigentum des Bochumer Vereins über. Durch ihn erfolgte der Ausbau der Kokereianlagen.

Im Juli 1967 fusionierten die Dortmunder Bergbau AG und die Rheinelbe Bergbau AG und wurden schließlich 1968 von der GBAG in die Ruhrkohle AG eingebracht.

Der Aktenumfang beträgt 70,3 Meter mit zahlreichen Fotos und technischen Dokumentationen.

 

Literatur: Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft und die Betriebsverhältnisse der Rheinelbe-Schächte bei Gelsenkirchen, o. O. o. J.

Ludwig Achepohl: Das Niederrheinisch-Westfälische Bergwerks-Industriegebiet, Berlin 1894.

Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft 1873-1898, o. O. [1898].

Geschichtliche Entwicklung und gegenwärtiger Stand der Phoenix Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb in Hoerde. Denkschrift zum 60-jährigen Bestehen des Unternehmens im Jahr 1912, Dortmund 1912.

F. A. Freundt: Kapital und Arbeit. Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft 1873-1927, o. O. [1927].

GBAG. 10 Jahre Stahlwerke AG 1926-1936, o. O. [1936].

25 Jahre Vereinigte Stahlwerke AG bzw. Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft 1926-1951, o. O. [1951].

Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 194-199, S. 278 f.

Cäcilie Schmitz: Bergbau und Verstädterung im Ruhrgebiet. Die Rolle der Bergwerksunternehmen in der Industrialisierung am Beispiel Gelsenkirchen, Bochum 1987 (= Der Anschnitt. Beiheft 5).

 

Bochumer Bergbau AG, Bochum

Laufzeit: 1790 - 1970

Die Bochumer Bergbau AG entstand 1953 im Rahmen der Neuordnung der Montanindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg. Die ehemalige Gruppe Bochum der Vereinigten Stahlwerke AG (VSt) und später der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) wurde zur Bochumer Bergbau AG, einer 100 %igen Tochtergesellschaft, unter der Oberleitung der GBAG als Finanzholding umgewandelt. Sie erhielt die fördernden Schachtanlagen Bruchstraße, Dannenbaum, Prinz Regent, Engelsburg und Friedlicher Nachbar, die Brikettfabriken Prinz Regent, Friedlicher Nachbar und Engelsglück, die Teerdestillation Carolinenglück, das Kraftwerk Prinz Regent, das Großkraftwerk Gustav Knepper bei Dortmund-Mengede sowie stillliegenden Felderbesitz bei Witten. Außerdem wurde die Bochumer Bergbau AG mit 50 % an der neu gegründeten Carolinenglück Bergbau AG beteiligt.

Die Schachtanlagen der neu gegründeten Bochumer Bergbau AG in Bochum und im Süden von Dortmund waren bei der Gründung der VSt am 14. Januar 1926 von der GBAG (alt), der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG (Deutsch-Lux) und vom Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation (Bochumer Verein) eingebracht worden.

Die 1901 gegründete Deutsch-Lux, deren Rechtsvorgängerin die Société anonyme des Hauts-Fourneaux, Forges et Charbonnages Differdange-Dannenbaum war, brachte die Schachtanlagen Dannenbaum, Prinz Regent (seit 1924 mit Carl Friedrich Erbstollen vereinigt), Friedlicher Nachbar, Bruchstraße, Adolf von Hansemann und Tremonia in die neue Gesellschaft ein. Die Deutsch-Lux bzw. ihre Rechtsvorgänger hatten seit 1899 Bergwerksbesitz erworben, um den Koksbedarf des Hochofenwerks der Gesellschaft im Selbstverbrauch zu decken. Deutsch-Lux war im Besitz von Hugo Stinnes.

Auch der Bochumer Verein, eine der Gründungsgesellschaften der Gruppe Bochum der VSt, hatte 1868 zur Deckung seines Bedarfs an Kohle zunächst die Zeche Ver. Maria Anna und Steinbank erworben. Mit der Angliederung der Gesellschaft für Stahlindustrie, Bochum, an den Bochumer Verein im Jahr 1889 gingen auch 81 Kuxe der Zeche Ver. Engelsburg auf den Bochumer Verein über. Bis 1900 erwarb der Bochumer Verein die restlichen Kuxe sowie im gleichen Jahr die Gewerkschaft Ver. Carolinenglück in (Bochum-) Hamme. Außer seinen Hochofen- und Hüttenanlagen sowie verschiedenen Erzgruben brachte der Bochumer Verein 1926 die drei Steinkohlenzechen Ver. Engelsburg, Vereinte Carolinenglück und die 1907 erworbene Zeche Teutoburgia in die VSt ein.

Die Abteilung Bergbau der VSt gliederte sich in vier Gruppen: Hamborn, Gelsenkirchen, Dortmund und Bochum. Die Gruppe Bochum umfasste die Bergwerke Carolinenglück, Engelsburg, Friedlicher Nachbar, Prinz Regent, Dannenbaum, Bruchstraße und die stillgelegten Schachtanlagen Ver. Hamburg und Franziska und Helene-Nachtigall, die die GBAG in die Gesellschaft eingebracht hatte. Im Jahr 1933 wurde die VSt in eine Reihe selbstständiger Betriebsgesellschaften aufgelöst, deren Aktienkapital sich in den Händen der VSt als Dachgesellschaft befand. Die in diesem Zusammenhang neu gebildete GBAG war wieder in vier Bergbaugruppen mit eigenen Betriebsverwaltungen aufgeteilt: die Gruppen Hamborn, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund.

Schachtanlage Dannenbaum

Die Zeche Dannenbaum geht auf die beiden ehemals selbstständigen Schachtanlagen Dannenbaum und Friederika zurück. Die Zeche Friederika bestand schon vor 1749 als Stollenzeche. Mit dem Abteufen des ersten Tiefbauschachtes 1867 vollzog sich der Übergang zum Tiefbau. 1889 ging die Zeche in das Eigentum der Aktiengesellschaft der Zeche Dannenbaum über, 1899 an die Aktiengesellschaft für Eisen- und Kohlenindustrie Differdingen-Dannenbaum und 1901 an deren Rechtsnachfolgerin, die Deutsch-Lux. Nachdem die Fettkohlenvorräte abgebaut worden waren, wurde die Zeche Friederika 1907 stillgelegt. Der Hauptförderschacht wurde als ausziehender Wetterschaft für die Zechen Prinz Regent und Dannenbaum eingerichtet.

Auch das Bergwerk Dannenbaum war ursprünglich Stollenzeche und stand schon vor 1780 in Betrieb. 1859 wurde mit dem Abteufen des ersten Tiefbauschachtes begonnen, der 1860 die Förderung aufnahm. 1873 wurde die Gewerkschaft Dannenbaum in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Wie die Zeche Friederika ging auch die Zeche Dannenbaum 1899 in das Eigentum der Aktiengesellschaft für Eisen- und Kohlenindustrie Differdingen-Dannenbaum über und von dieser im Jahr 1901 an die Deutsch-Lux, der nun die Steinkohlenzechen Prinz Regent, Friederika und Dannenbaum angehörten. 1926 gingen die Zechen in den Besitz der VSt über. Nach der Ausgliederung der Bergwerksbetriebe aus der VSt wurde die GBAG mit den Gruppen Hamborn, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund gegründet. In der Gruppe Bochum, zu der auch die Zeche Dannenbaum gehörte, blieben die Bergwerke wegen schwieriger und gestörter geologischer Verhältnisse sowie überwiegend steil gelagerter Flöze als mittlere und kleinere Einheiten erhalten.

Nachdem die Zeche Dannenbaum 1953 der neu gegründeten Bochumer Bergbau AG zugeordnet worden war, erfolgte 1956 die Vereinigung der Zeche Dannenbaum mit der Zentralschachtanlage Prinz Regent. Das Bergwerk Prinz Regent/Dannenbaum wurde am 27. Februar 1960 stillgelegt.

Schachtanlage Prinz Regent

Im Baufeld der Schachtanlage Prinz Regent bestanden seit etwa 1750 die drei Stollenzechen Alte Mann, Bonifacius und Backwinkeler Erbstolln, die zwischen 1788 und 1845 stillgelegt wurden.

1870 begann die Gewerkschaft Prinz Regent den Schacht Prinz Regent 1 abzuteufen, der 1873 die Förderung aufnahm. 1890 ging die Zeche in das Eigentum der Aktiengesellschaft Zeche Dannenbaum über. Zusammen mit dem übrigen Bergwerksbesitz ging auch das Bergwerk Prinz Regent 1899 an die Aktiengesellschaft für Eisen- und Kohlenindustrie Differdingen-Dannenbaum und von dieser 1901 an die Deutsch-Lux.

Zur Erweiterung von Prinz Regent erwarb die Gesellschaft 1905 die Schachtanlage Julius Philipp von der Arenberg'schen Actien-Gesellschaft für Bergbau und Hüttenindustrie in Essen.

Ab 1926 war die VSt Besitzer der Zeche Prinz Regent, die zur Gruppe Bochum gehörte. Nach der Ausgliederung der Bergwerksbetriebe wurde die GBAG Eigentümerin der Schachtanlage Prinz Regent. Wie die anderen Zechen der Gruppe Bochum ging auch Prinz Regent nach dem Zweiten Weltkrieg in den Besitz der Bochumer Bergbau AG über. Im Jahr 1956 wurde sie mit Dannenbaum vereinigt, doch führte die Bergbaukrise letztlich doch zur Stilllegung der Schachtanlage am 27. Februar 1960.

Schachtanlage Friedlicher Nachbar

Die westlichste der drei in der Bochumer Mulde gelegenen Zechen, die die Deutsch-Lux 1926 in das Eigentum der VSt einbrachte, entstand aus den zwei nebeneinander gelegenen, ursprünglich selbstständigen Zechen Friedlicher Nachbar und Baaker Mulde.

Die Zeche Baaker Mulde geht auf die drei ehemaligen Stollenzechen Johann Friedrich, St. Mathias Erbstollen und Ver. Dickebaeckerbank und Anna Catharina zurück, die schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts Kohle abbauten. 1868/1870 wurden die drei Stollenzechen unter dem Namen Baaker Mulde vereinigt. 1899 erwarb die angrenzende Gewerkschaft Friedlicher Nachbar das Eigentum an der Gewerkschaft Baaker Mulde.

Das Grubenfeld Friedlicher Nachbar wurde 1831 gemutet und 1854 mit einer Größe von 1,1 Mio. m2 verliehen. Seit 1855 wurde zunächst mit dem Pferdegöpel, seit 1857 mit einem Dampfhaspel Kohlen gefördert. 1868 wurde der Schacht 1 abgeteuft und 1870 in Förderung genommen.

Im Jahr 1904 ging die Gewerkschaft Friedlicher Nachbar in das Eigentum der Deutsch-Lux über; die Tagesanlagen der Zeche wurden weiter ausgebaut und eine Kokerei mit Nebenproduktengewinnung errichtet, die aber 1919 infolge Kohlemangels stillgelegt und abgerissen wurde. 1926 wurde die Zeche von der VSt übernommen, 1932 vorübergehend stillgelegt und am 1. September 1933 wieder in Betrieb genommen. Bei der Neugründung der GBAG 1933 wurde die Schachtanlage Friedlicher Nachbar, wie zuvor in der VSt, der Gruppe Bochum zugeordnet.

Im Jahr 1953 vollzog sich die Neuordnung der GBAG und gleichzeitig die Bildung der Bochumer Bergbau AG, der die Zeche Friedlicher Nachbar zugeordnet wurde. Das Bergwerk Friedlicher Nachbar wurde am 30. März 1961 stillgelegt, die Tagesanlagen abgerissen und die Schächte verfüllt.

Schachtanlage Bruchstraße

Die Zeche Bruchstraße war ursprünglich Eigentum des preußischen Fiskus, für den das gleichnamige Feld 1769 reserviert worden war. Aber erst 1839 wurden die Längenfelder Bruchstraße 1, Bruchstraße 2 und Bruchstraße 3 endgültig reserviert und 1845 in Geviertfelder umgewandelt. Sie gingen am 28. September 1852 auf dem Wege einer öffentlichen Versteigerung in den Besitz des Glasfabrikanten Gustav Müllensiefen über. Dieser gründete 1867 die Gewerkschaft Bruchstraße. Diese begann 1872 mit dem Abteufen des Schachtes 1, der aufgrund starker Störungen aber verfüllt werden musste. Im gleichen Jahr wurde ein neuer Schacht niedergebracht, der 1874 die Förderung aufnahm.

1887 verkaufte die Gewerkschaft Bruchstraße sämtliche Kuxe an die Dortmunder Steinkohlenbergwerk Louise Tiefbau AG und löste sich auf. 1907 wurde der Wetterschacht 3 und 1914, nach der Vereinigung der Dortmunder Steinkohlenbergwerk Louise Tiefbau AG mit der Deutsch-Lux, der Wetterschacht 4 abgeteuft.

Unter der Leitung der VSt wurden die Zeche Bruchstraße zur Großschachtanlage ausgebaut und eine Großkokerei zur Sicherstellung der Koksversorgung der Siegerländer Hochofenwerke errichtet.

Nach der Ausgliederung der Bergbaubetriebe aus der VSt wurde die Zeche Bruchstraße der Gruppe Bochum der GBAG zugeordnet. Hier verblieb sie bis zur Neuordnung der Montanindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab 1953 wurde das Bergwerk Bruchstraße eine der fünf Zechen der Bochumer Bergbau AG. Sie wurde am 31. März 1962 stillgelegt.

Schachtanlage Carolinenglück

Die Zeche Carolinenglück ist in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts durch die Gewerkschaft Glückauf angelegt worden. 1850 wurde im Schacht 1 die Förderung aufgenommen. Der zweite Schacht kam erst nach mehrmaligen Abteufversuchen 1891 in Förderung, Schacht 1 diente seitdem als Wasserhaltungs- und Wetterschacht.

Am 9. Mai 1900 ging das Gewerkschaftsvermögen der Zeche Carolinenglück in das Eigentum des Bochumer Vereins über. Der Bochumer Verein erwarb die Zeche Carolinenglück, da die zuvor erworbenen Bergwerke nicht über genügend Fettkohlenvorräte zur Versorgung ihrer Werke verfügten. 1910 begann der Bochumer Verein mit dem Abteufen des Schachtes 3, der 1912 die Förderung aufnahm.

Im Jahr 1926 brachte der Bochumer Verein unter anderem auch die Zechen Ver. Engelsburg und Carolinenglück in die VSt ein. Zusammen mit den Zechen Bruchstraße, Dannenbaum, Friedlicher Nachbar und Prinz Regent entstand die Gruppe Bochum der VSt und später der GBAG.

1953 wurde die Carolinenglück Bergbau AG gegründet, die je zur Hälfte vom Bochumer Verein und der Bochumer Bergbau AG übernommen wurde. Nachdem die Schachtanlage Carolinenglück 1956 mit 476.640 Tonnen Kohle einen Höchststand in der Förderung erreicht hatte, wurde sie am 31. Mai 1964 stillgelegt.

Schachtanlage Engelsburg

Die Zeche Engelsburg hatte seit etwa 1735 zunächst für ein Jahrhundert als Stollenzeche bestanden. Um 1833/1834 ging man zum Tiefbau über und 1835 nahm der erste seigere Tiefbauschacht die Förderung auf. 1873 wurde mit dem Abteufen des Schachtes Engelsburg 1 begonnen, der 1875 die Förderung aufnahm. Aber erst nachdem der Bochumer Verein 1889 die Zeche Engelsburg erworben und einen großzügigen Ausbau in die Wege geleitet hatte, stieg die Förderung rapide an.

Im Jahr 1926 übernahm die VSt die Zeche Ver. Engelsburg. Nach der Ausgliederung der Bergwerksbetriebe aus der VSt wurde die GBAG Anteilseigner. Seit 1953 gehörte die Zeche Ver. Engelsburg zur Bochumer Bergbau AG. Am 29. September 1961 wurde die Schachtanlage stillgelegt, die Schächte wurden 1962/1963 verfüllt.

Zur Geschichte und Ordnung des Bestandes

Auf der im Jahr 1962 stillgelegten Schachtanlage Bruchstraße in Bochum-Langendreer befand sich ein Teil der Altregistratur der früheren Gruppe Bochum der GBAG. Der Aktenbestand war im Zweiten Weltkrieg aus dem Verwaltungsgebäude der Gruppe Bochum in der Friederikastraße in Bochum auf die Zeche Bruchstraße ausgelagert worden, wo er durch Kriegseinwirkungen und Plünderungen nach dem Krieg starke Schäden erlitt. Der Rest des Bestandes konnte zur Hauptverwaltung der GBAG in Gelsenkirchen gerettet werden; er wurde 1970 dem Bergbau-Archiv übereignet. Der Bestand umfasste Akten von Zechen und Gesellschaften, die im Laufe der Zeit zur GBAG gekommen waren. Er war inhaltlich recht heterogen, Art und Inhalt der Überlieferung bruchstückhaft.

Schriftliche Unterlagen der Zeche Ver. Hamburg und Franziska in Witten, eine der ältesten Zechen des Ruhrbergbaus, reichen bis in das Jahr 1821 zurück und belegen damit einen traditionsreichen Stollenbetrieb. Überhaupt bilden die Einzelakten dieser Zeche zusammen mit einigen Akten der Deutsch-Lux den zahlenmäßig größten Teil. Über die 1894 von Ver. Hamburg und Franziska angekaufte Zeche Ver. Wallfisch, Witten-Düren, sind Anschnitte von 1841 und einige wenige Grundstücksunterlagen erhalten geblieben.

Aus einem 1973 von der damaligen Bergbau AG Gelsenkirchen der Ruhrkohle AG übernommenen Aktenkonvolut schälte sich ein Aktenteilbestand heraus, der offensichtlich bei der Bochumer Bergbau AG (früher Gruppe Bochum der GBAG bzw. Deutsch-Lux) erwachsen war. Es handelte sich dabei durchweg um inhaltlich sehr heterogene Vorgänge und Probleme. Zwischen den Akten fanden sich zahlreiche Einzelstücke des Rechtstreits der Gewerkschaft Alte Steinkuhle gegen die Zeche Dannenbaum, aus denen sich der Prozessverlauf, der in verschiedenen Verfahren von 1882 bis 1952 gedauert hat, rekonstruieren lässt.

Die beiden Teilregistraturen wurden mit dem seit 1976 im (Konzernüberlieferung GBAG) mitgeführten Teilbestand Bochumer Bergbau AG verschmolzen, was eine völlige Neuordnung aller Akten erforderlich machte. Damit wurden im neuen Bestand alle Archivalien von und über Schachtanlagen in Bochum und im Süden von Bochum zusammengefasst, die von der GBAG (alt), der Deutsch-Lux und vom Bochumer Verein in die VSt, später GBAG, eingebracht wurden. Der zeitliche Schwerpunkt der Überlieferung liegt im 19. Jahrhundert. Der Bestand überliefert sehr zahlreich die früher im Bochumer Raum betriebenen kleinen Zechen und Gewerkschaften und ihre Stilllegung bzw. Angliederung an größere Gesellschaften. Der Umfang erstreckt sich über 28 laufende Meter.

 

Literatur: Hans Spethmann: Die geschichtliche Entwicklung des Ruhrbergbaus in Witten und Langendreer, Gelsenkirchen 1937.

Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 278 f.

Karl Heinz Bader/Karl Röttger: 250 Jahre märkischer Steinkohlenbergbau, Bochum 1987.

Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998.

Gerald D. Feldman: Hugo Stinnes. Biographie eines Industriellen 1870-1924, München 1998.

 

Bergwerksgesellschaft Hibernia AG, Herne

Laufzeit: 1846 - 1983

Die Bergwerksgesellschaft Hibernia geht auf zwei Gesellschaften zurück: die 1854 von William Thomas Mulvany gegründete Gewerkschaft Hibernia und die fiskalische Bergwerks-AG Recklinghausen.

Wie der Repräsentant der Gewerkschaft, Thomas Mulvany, stammen auch die übrigen Gewerken zum großen Teil aus Irland. 1857 gründeten sie die Gewerkschaft Shamrock, deren Repräsentant ebenfalls Thomas Mulvany wurde. Beide Gewerkschaften wurden am 6. März 1873 in die neu gegründete Hibernia und Shamrock Bergwerksgesellschaft eingebracht. Thomas Mulvany übernahm den Aufsichtsratsvorsitz bis zu seinem Tode 1885. Am 25. November 1887 wurde die Gesellschaft, die ein Jahr zuvor die 1857 gegründete Gewerkschaft Wilhelmine Victoria hinzugekauft hatte, umbenannt in Bergwerksgesellschaft Hibernia. 1893 war sie nach der Harpener Bergbau-AG und der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) die drittgrößte Gesellschaft des Ruhrreviers.

1898 erfolgte der Ankauf der Zeche Schlägel & Eisen, deren Berechtsame 1900 nach Norden und Nordosten durch den Erwerb der Felder Ver. Deutschland, Reichskanzler und Deutscher Kronprinz vergrößert werden konnten. Nach Osten wurden die Berechtsame 1903/1904 durch den Ankauf der 1873 gegründeten Gewerkschaft General Blumenthal in Recklinghausen erweitert. Nach dem Ankauf der Zeche Alstaden 1904 verfügte die Gesellschaft über elf Schachtanlagen mit 27 Schächten und fast 18.000 Beschäftigten.

Als der preußische Staat 1904 27,5 Millionen Mark des inzwischen auf 53,5 Millionen Mark aufgestockten Kapitals der Gesellschaft erwarb, beschloss die Generalversammlung am 27. August 1904 eine Kapitalerhöhung auf 60 Millionen Mark unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre und am 4. Dezember 1904 eine weitere Erhöhung um 10 Millionen Mark Vorzugsaktien, um eine weitere Überfremdung auszuschließen. Der in die Minderheit gedrängte Bergfiskus erhob zwar im Februar 1907 Klage gegen diese Beschlüsse beim Bochumer Landgericht, die jedoch ebenso wie die anschließenden Berufungsklagen beim Oberlandesgericht Hamm (September 1907) und beim Reichsgericht (6. März 1908) abgewiesen wurden. Die zwangswirtschaftlichen Maßnahmen im Ersten Weltkrieg ermöglichten dem Fiskus den Erwerb der restlichen Aktien der Hibernia. Am 26. Februar 1917 wurde der Übergang der Gesellschaft in Staatsbesitz sanktioniert, der alte Aufsichtsrat legte daraufhin sein Mandat nieder.

Im März 1902 hatte der Bergfiskus, dessen Besitz in Westfalen bis dahin auf das Steinkohlenbergwerk Ibbenbüren beschränkt war, eine Reihe von Grubenfeldern und die Gewerkschaft Ver. Gladbeck aus dem Besitz von August Thyssen erworben. Die Anlagen dieser Gewerkschaft, Thyssen und Professor, wurden umbenannt in Möller-Schächte und Rheinbaben-Schächte. 1903 wurden die Gewerkschaft Ver. Gladbeck aufgelöst und ihre Zechen der neu gebildeten Kgl. Preußischen Bergwerksdirektion unterstellt, die 1905 ihren Sitz von Dortmund nach Recklinghausen verlegte. Zwischen 1903 und 1908 setzte eine rege Neubautätigkeit ein: 1903 wurden die Zechen Bergmannsglück und Waltrop angelegt, 1907 die Zeche Westerholt und 1908 die Zechen Scholven und Zweckel. Mit Wirkung vom 1. Januar 1926 wurde die Bergwerksdirektion Recklinghausen zusammen mit der Zechenbahn- und Hafenverwaltung in die Bergwerks-AG Recklinghausen eingebracht, die in Personalunion mit der Hibernia geführt wurde. Am 5. Juni 1935 wurden beide Gesellschaften zur Bergwerksgesellschaft Hibernia AG vereinigt, der nun nach der GBAG größten Gesellschaft des Ruhrreviers. Aufgrund der Durchführungsverordnung Nr. 25 zum Gesetz Nr. 27 der Alliierten Hohen Kommission wurde die Bergwerksgesellschaft Hibernia AG am 6. Oktober 1954 unter Einbringung der alten Bergwerksgesellschaft Hibernia und der am 5. Oktober 1954 umgebildeten Emscher-Lippe Bergbau-AG neu gegründet. Das gesamte Grundkapital ging in den Besitz der Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-AG (VEBA) über.

Der Bergwerksbesitz der Hibernia umfasste neun Bergwerksdirektionen:

- Shamrock, Herne (Zeche Shamrock 1/2 und Zeche Shamrock 3/4)

- Waltrop, Waltrop (Zeche Waltrop)

- General Blumenthal, Recklinghausen (Zeche General Blumenthal)

- Schlägel & Eisen, Herten (Zeche Schlägel & Eisen)

- Buer, Gelsenkirchen-Buer (Zeche Bergmannsglück und Zeche Westerholt)

- Wilhelmine Victoria, Gelsenkirchen (Zeche Wilhelmine Victoria)

- Zweckel, Gladbeck-Zweckel (Schachtanlage Zweckel und Schachtanlage Scholven)

- Gladbeck, Gladbeck (Zeche Möller und Zeche Rheinbaben)

- Alstaden, Oberhausen (Zeche Alstaden)

Nach Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) ging 1969 der gesamte Steinkohlenbergbau der Hibernia (und von Mathias Stinnes) auf sie über. 1970 erfolgte die Umwandlung der Hibernia auf die VEBA, die ihren Verwaltungssitz von Herne nach Düsseldorf verlegte. Die Kraftwirtschaft der Hibernia wurde rechtlich verselbstständigt in der VEBA Kraftwerke Ruhr.

Das Hibernia-Archiv wurde 1971 von der VEBA Verwaltungsgesellschaft mbH, Herne, im Bergbau-Archiv deponiert und diesem 1974 vertraglich übereignet. Der übergebene Bestand setzte sich aus mehreren Teilen zusammen: 1. einem kleineren Bestandsteil, der durch Verzeichnung erschlossen war; 2. 95 Kartons mit unverzeichnetem Material; 3. ungeordnete, aber in sich geschlossene Aktenbestände der Herren Oberbergrat a. D. Walter Bälz, Dr. Hans Werner von Dewall und Dr. Köster; 4. mehrere Regalmeter völlig unzusammenhängender Einzelunterlagen und Dubletten. Nicht übergeben wurden die gesamte Vertragsregistratur und Belegschaftsakten.

Zwei Akten (vgl. 32/4465 und 32/4466) geben Auskunft über die Einrichtung und Verwaltung des Archivs bei der Hibernia. Danach erfolgte 1935/1936 anlässlich der Fusion von Hibernia und der Bergwerks-AG Recklinghausen eine Registraturneuordnung. Zusätzlich zur Hauptregistratur wurden in der Hauptverwaltung in allen Abteilungen so genannte Schriftgutablagestellen eingerichtet. Außer in der Hauptverwaltung befanden sich weitere Schriftgutablagestellen bei den Schachtanlagen. Das Archiv, damalige Bezeichnung Archivstelle/Alt- registratur, wurde 1953 bei der Hauptverwaltung eingerichtet. Offensichtlich klappte die Zuführung von Schriftgut aus den einzelnen Teilregistraturen an die Archivstelle gut. Dieses der Altregistratur zufließende Schriftgut wurde nicht neu geordnet, sondern nach den Aktenplänen der Einzelregistraturen aufbewahrt.

Die ältesten Unterlagen des Hibernia-Archivs stammen aus den Jahren 1853 bis 1856 und behandeln die Verleihung der Grubenfelder. Dagegen fehlen Dokumente über das Abteufen der Schächte bis zum Jahr 1873, dem Gründungsjahr der Hibernia und Shamrock Bergwerks-AG. Von den später käuflich erworbenen Schachtanlagen fehlen bis zum Zeitpunkt des Erwerbs durch die Hibernia alle Unterlagen. In einem Schreiben der Hibernia-Hauptverwaltung vom März 1955 heißt es: "Unser Archivgut ist in den letzten Tagen des Krieges zum größten Teil abhanden gekommen. Wir bemühen uns z. Zt., erneut Unterlagen über die Geschichte unseres Unternehmens zusammenzutragen." Da 1956 die Hibernia 100 Jahre bestand (Gründung der Gewerkschaft Hibernia 1856), haben diese Arbeiten, deren Umfang und Ergebnis im Einzelnen heute nicht mehr zu rekonstruieren sind, vermutlich damit im Zusammenhang gestanden.

Zwischen 1965 und 1967 war im Archiv der Hibernia eine Mitarbeiterin mit der Ausarbeitung eines neuen Ordnungsplanes für die zukünftige Ordnung der aufbewahrungswürdigen Akten befasst. In diesem Zusammenhang wurden zahlreiche Fotokopien aus Berechtsamsakten des Oberbergamts Dortmund angefertigt, um die bei der Hibernia selbst nicht mehr vorhandenen Unterlagen zu ergänzen. Der Umfang: 155 Meter und weitere unverzeichnete Nachträge.

 

Literatur: Alfred Drissen: Alt Schlägel und Eisen 1874-1949, Recklinghausen o. J.

Karl August Hückinghaus: Die Verstaatlichung der Steinkohlenbergwerke, Jena 1892.

Festschrift aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Bergwerksgesellschaft Hibernia 1873-1898, Düsseldorf 1898.

Bergwerksgesellschaft Hibernia 1873-1923, Herne 1923.

Max Schulze-Briesen: Der preußische Staatsbergbau im Wandel der Zeiten, 2 Bde., Berlin 1933.

Alfred Drissen: Alt-Blumenthal. Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des Steinkohlenbergwerks General Blumenthal 1873-1948, Recklinghausen 1948.

Hermann Lichtenberg: Hibernia - ein Beispiel für die Betätigung des Staates im Steinkohlenbergbau, Dissertation Köln 1948.

50 Jahre Steinkohlenbergwerk Waltrop, Waltrop 1953.

Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-Aktiengesellschaft 1929-1954, Berlin 1954.

Heiner Radzio: Unternehmen Energie. Aus der Geschichte der VEBA, Düsseldorf/Wien 1979 (2. Aufl. 1990).

Helmut Schönfeld: Steinkohlenbergwerk Schlägel & Eisen, Herten (Westfalen) 1949-1989, o. O. [1990].

Manfred Stratenhoff: Zeche Alstaden. Daten-, Material- und Quellenzusammenstellung, o. O. 1997.

Dietmar Bleidick: Die Hibernia-Affäre. Der Streit um den preußischen Staatsbergbau im Ruhrgebiet zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Bochum 1999 (= Schriften des Bergbau-Archivs. 9).

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Bergwerksgesellschaft Walsum AG, Walsum

Laufzeit: 1945 - 1977

Hervorgegangen aus den 1888 durch August Thyssen erkundeten rechtsrheinischen Feldern nördlich von Hamborn, wurde die Grube 1903 als Gewerkschaft Rhein 1 gegründet. Nach verschiedenen Betriebseinstellungen wurde die Erschließung durch die Thyssen-Erben wieder aufgenommen und zu diesem Zweck 1926 die 100-teilige Gewerkschaft Bergwerksgesellschaft Walsum gegründet. 1927 erwarb die Thyssen'sche Gas- und Wasserwerke GmbH die Gesellschaft als Alleinbesitzer vor allem zur Kohleveredelung und zum Kraftwerksbetrieb. Ab 1930 wurde die Eigenförderung aufgenommen, ab 1936 erfolgte der regelmäßige Förderbeginn. 1945 musste aufgrund von Kriegsschäden der Betrieb kurzzeitig eingestellt werden und im Zuge der Konzernentflechtung wurde die Bergwerksgesellschaft selbstständige GmbH. In der Folgezeit wurden mehrere neue Felder hinzu erworben. 1963 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, deren Aktienmehrheit 1966 von der Hollandsch-Amerikaansche Beleggingsmaatschappij, Rotterdam, erworben wurde und die 1969 an die Steinkohlen-Elektrizität AG in Essen überging. 1969 wurde die Unternehmung in die Ruhrkohle AG eingebracht. Gegenwärtig werden in Walsum Flöze von 185 bis 224 Zentimeter Mächtigkeit in 913 bzw. 800 Meter Tiefe abgebaut. 1986 lag die tägliche Fördermenge bei 12.928 Tonnen, die Zahl der Beschäftigten betrug 4.450 Mitarbeiter. Die Akten stammen zum Teil aus dem Nachlass von Dr. Hans Korsch, Vorstandsmitglied der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, der 1969 Aufsichtsratsmitglied der Walsum AG war.

 

Literatur: Rudolf Stampfuß: Walsum. Vom Dorf zur Industriegemeinde, hrsg. von der Bergwerksgesellschaft Walsum, o. O. [1955].

Herbert Barking/Franz Schulte: Verbundwerk und Kraftwerk Walsum, Dinslaken 1969.

Friedrich-Karl Bassier/Egon Kallrath: Die Geschichte eines Bergwerkes, zusammengestellt aus Anlass der 50-jährigen Wiederkehr der Aufnahme der Kohleförderung 1939, o. O. [1989].

Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998, S. 1000 f.

 

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Essener Steinkohlenbergwerke AG, Essen

Laufzeit: 1820 - 1975

Die Essener Steinkohlenbergwerke AG wurde 1906 unter Zusammenschluss der Rheinischen Anthracit-Kohlenwerke mit den Gewerkschaften Hercules (mit Katharina), Ver. Pörtingssiepen (seit 1897 mit Gottfried Wilhelm) und Dahlhauser Tiefbau gegründet. Ihre Keimzelle bildete die Gewerkschaft Heisinger Tiefbau, die in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts ihre gleichnamige Zeche in (Essen-) Heisingen an der Ruhr angelegt hatte und 1871 zum Tiefbau überging. Nachdem die Firma Funke & Schürenberg 1880 die Kuxenmehrheit der Gewerkschaft erworben hatte, wurden bis 1886 alle Aufbauarbeiten abgeschlossen und eine Förderung von 60 000 t erreicht. Dem ersten Grubenvorstand unter der neuen Verwaltung gehörten Fritz Funke, Wilhelm Sonnenschein und Jobst Waldthausen an.

Am 27. Mai 1889 beschloss die Gewerkenversammlung, die Zeche in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, wobei das Eigentum der Gewerken an ein Gründungskonsortium unter Mitwirkung des Bankhauses Aron & Walter, Berlin, abgetreten wurde. Die neue Aktiengesellschaft wurde unter dem Namen Rheinische Anthracit-Kohlenwerke am 13. Dezember 1889 mit Sitz in (Essen-) Kupferdreh gegründet. Vorstand der Aktiengesellschaft wurden Otto Funke und Heinrich Schäfer, den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm Carl Funke. Zur Förderung des Absatzes bildete die Gesellschaft zusammen mit der Zeche Ver. Pörtingssiepen eine Verkaufsstelle für Anthrazit-Nusskohle in Berlin. 1893 trat die Zeche Heisinger Tiefbau dem neu gegründeten Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat (RWKS) bei.

Am 15. Januar 1900 erwarb die Gesellschaft die bei (Essen-) Werden gelegene Zeche Pauline, nachdem sie zuvor fast alle Kuxe der Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Friedrich Wilhelm aufgekauft und in dem noch unverritzten Feld Friedrich Wilhelm den Schacht Carl Funke abgeteuft hatte, der 1899 die Förderung aufnahm. 1903 ging die Zeche Friedrich Wilhelm endgültig in das Eigentum der Rheinischen Anthracit-Kohlenwerke über und wurde mit der alten Anlage Heisinger Tiefbau zu einer Betriebsanlage zusammengefasst. Hauptförderschacht war der neue Schacht Carl Funke.

Um die technische und wirtschaftliche Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit der kleineren Ruhrzechen auch in der Zukunft erhalten zu können, wurden auf der Generalversammlung der Rheinischen Anthracit-Kohlenwerke am 23. März 1906 die Konsolidierung der Bergwerke beschlossen und die Essener Steinkohlenbergwerke AG mit Sitz in Essen gegründet. Den Vorsitz des Aufsichtsrats der neuen Gesellschaft übernahm Kommerzienrat Carl Funke. Die neu ausgegebenen Aktien wurden gegen die Kuxe der Gewerkschaften Hercules in Essen, Ver. Pörtingssiepen in (Essen-) Werden und Ver. Dahlhauser Tiefbau in Dahlhausen (Ruhr) getauscht. Die Gesellschaft verfügte über sechs Betriebsanlagen - die Rheinische Anthracit-Kohlenwerke, die ab 1906 nach ihrem Förderschacht Carl Funke benannt wurde, Pauline, Ver. Pörtingssiepen, Ver. Dahlhauser Tiefbau, Richradt und Hercules (mit den Schachtanlagen Hercules und Katharina) - mit sieben Förderschächten und fünf Brikettfabriken. Die Gesamtberechtsame betrug 30,4 Mio. m2. Noch im gleichen Jahr erwarb die Gesellschaft die Gewerkschaft Solberg in (Essen-) Kupferdreh, da diese Konzessionsinhaberin der Anschlussbahn der Zechen Ver. Pörtingssiepen und Richradt war.

1907 begann die Essener Steinkohlenbergwerke AG mit dem Abteufen eines Förderschachtes im Feld der Gewerkschaft Gottfried Wilhelm, die die Zeche Ver. Pörtingssiepen in die Gesellschaft eingebracht hatte. Am 1. Januar 1909 wurde der neue Schacht Gottfried Wilhelm in Förderung genommen. Zur Erweiterung der Syndikatsbeteiligung erwarb die Gesellschaft im Jahr 1908 die Kuxe der Gewerkschaft Altendorf, Altendorf (Ruhr), in deren Besitz sich außer der Zeche Altendorf auch die Zechen Prinz Friedrich und Gilles Antoine befanden. Nachdem am 1. November 1910 der Betrieb der Zeche Richradt eingestellt worden war, wurde 1914 auch die Anlage Altendorf stillgelegt. Die noch anstehenden Kohlenvorräte wurden von der Zeche Dahlhauser Tiefbau abgebaut.

Nach dem Tod von Carl Funke im Jahr 1912 übernahm Ernst Tengelmann die Führung der Essener Steinkohlenbergwerke AG, unter dessen Leitung am 29. März 1916 die Kuxe der Gewerkschaft Dorstfeld in Dortmund aufgekauft wurden. Damit verfügte die Gesellschaft über ihre erste Fettkohlenzeche.

Von den älteren Zechen südlich der Ruhr wurde 1916 auch die Zeche Pauline bei (Essen-) Werden stillgelegt. Trotzdem übernahm die Essener Steinkohlenbergwerke AG in diesem und im folgenden Jahr die Mehrheit der Kuxe einer anderen alten Magerkohlenzeche im Ruhrtal, der Zeche Victoria, wodurch ein zusammenhängender Felderbesitz im Süden des Ruhrbezirks gesichert war, da Victoria mit den Feldern von Prinz Friedrich und Altendorf markscheidete.

1920 übernahm die Essener Steinkohlenbergwerke AG von der Bergbau-AG Lothringen die Kuxenmehrheit der Gewerkschaft Oespel bei Dortmund, einer Ess- und Fettkohlenzeche, die über drei Schächte, eine Kokerei mit 60 Öfen und eine Brikettfabrik verfügte. Am 1. Januar 1921 wurde die Verwaltung nach Essen verlegt und 1923 ging sie vollständig in den Besitz der Essener Steinkohlenbergwerke AG über. Nachdem als Kaufpreis für die Gewerkschaft Oespel ein Teil der Aktien der Essener Steinkohlenbergwerke AG in den Besitz der Bergbau-AG Lothringen übergegangen war, wurde 1921 mit einem Interessenvertrag zwischen der Essener Steinkohlenbergwerke AG, der Bergbau-AG Lothringen und der Henschel & Sohn GmbH in Kassel die Verbindung zwischen beiden Gesellschaften noch fester geschlossen.

1922 erwarb die Interessengemeinschaft, an die über Beteiligungen noch andere Bergwerksunternehmen gebunden waren, eine Beteiligung an der Gewerkschaft Ludwig.

 

AUS DEM BERGBAU-LEXIKON
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